Lenormandkarten

Lenormandkarten sind Wahrsagekarten, die nach Marie Anne Adeláide Lenormand benannt sind.

1772 in Alancon in eine Kaufmannsfamilie geboren, wurde Lenormand in einer Klosterschule ihrer Heimatstadt von Benediktinerinnen erzogen. Besonders interessierte sie sich für Sprachen, Musik, Malerei und Literatur. Daneben und sehr zum Missfallen der Klosterschwestern beschäftigte sie sich auch mit dem Wahrsagen. Als Marie Anne Lenormand im Jahre 1781 die Absetzung der Äbtissin voraussagte und diese Voraussage eintraf, wurde sie von der Schule verwiesen.

1790 ließ sich Lenormand in Paris nieder und konnte sich bereits drei Jahre später, zusammen mit einer Wahrsagerin namens Madame Gilbert, mit einem Bureau für Wahrsagerei selbstständig machen. Ebenfalls 1790 traf Marie Anne Lennormand mit den drei einflussreichsten Männern der Revolution, Marat, Robespierre und Saint-Just zusammen, denen sie einen gewaltsamen Tod vorausgesagt haben soll. Eine Verhaftung durch den Wohlfahrtsausschuss schadete ihr nicht, sondern machte sie nur noch bekannter. Ab dem Jahre 1797 wohnte sie in der Rue de Tournon und betrieb dort professionell Wahrsagerei und hatte Kunden aus allen Gesellschaftsschichten. In den Jahren 1803 und 1809 wurde Marie Anne Lenormand wegen Hochverrates angeklagt und landete im Gefängnis, jedoch schienen die Anklagen nicht sehr ernsthaft gewesen zu sein, da sie beide Male nur kurz inhaftiert gewesen war.

In den folgenden Jahren wurde Marie Anne Lenormand immer berühmter, selbst die französische Kaiserin Joséphine und der Kaiser von Russland Alexander I., den sie auf dem Aachener Kongress 1818 besuchte, zogen sie zu Rate.

Nach dem Tod des Thronerben am 14. Februar 1820 und mit der damit verbundenen Änderung der Politik Ludwigs XVIII. emigrierten viele politische Gegner nach Brüssel, unter ihnen auch Marie Anne Lenormand. Auch in Brüssel wurde sie verhaftet, diesmal unter der Anklage der Spionage. Mehrmals legte Marie Anne Lenormand Berufung ein, die jedoch immer abgelehnt wurden. Erst als einige ihrer Anhänger öffentlich Druck ausübten, kam es zu einer neuen Verhandlung, diesmal lautete das Urteil Hexerei, trotzdem wurde Marie Anne Lenormand aus der Haft entlassen. Im Jahre 1830, nach der Julirevolution zieht sich Marie Anne Lenormand in ihr Privatleben zurück und legte nur noch für ihre Freunde die Karten und genießt ihren Reichtum. Am 25. Juni 1843 stirbt sie durch einen Kunstfehler eines Arztes.

Man vermutet, dass Marie Lenormand die Schöpferin der Lenormandkarten ist, genaueres ist aber nicht bekannt, da die Karten erst nach ihrem Tod erstveröffentlicht wurden. Die Lenormandkarten lehnen sich an die Tradition der Tarotkarten an.

Andere Quellen vermuten, dass sie sehr wahrscheinlich die Decks von Jean François Alliette, Künstlername: Etteilla ("Alliette" rückwärts), einem der wichtigsten Tarotforscher des 18.Jahrhunderts, benutzte. Er nannte sich "Erfinder des Kartenlegens" und veröffentlichte allen Widerständen zum Trotz bereits im Jahre 1791 sein Buch Etteilla, ou manière de se récréer avec un jeu de cartes und entwarf sein "Petit Etteilla"-Deck, das ein populäres Wahrsagedeck zur damaligen Zeit in Frankreich war und Mlle Lenormand damit zur Verfügung stand.

Das Lenormandkartenspiel gibt es in einer großen, 54 Karten umfassenden, und einer kleinen, 36 Karten umfassenden, Ausgabe. Die Kartenbilder des großen Spiels, des "astromythologischen Decks", zeigen Szenen aus der griechischen Mythologie, Sternbilder, Geomantie, 22 Buchstaben (Kabbala), 7 Talismane, Skatkarten und jeweils eine Blume (Blumensprache).

Das kleine Deck mit 36 Karten ist im deutschsprachigen Raum verbreiteter.

Jede Karten enthält neben Bildsymbolen, meist in biedermeierlicher Gestaltung (z. B. Reiter, Haus, Blumenstrauß usw.), auch die Abbildung einer üblichen Spielkarte im Kleinformat mit den französischen Farben. In einigen Ausgaben ist das Kartenbild durch einen Vers ersetzt, der den Kern der Kartenaussage formulieren soll. Neben dem Tarot sind die Lenormand die beliebtesten Karten zur Weissagung. In einer großen Legung mit allen 36 Karten kann man auf den verschiedensten Ebenen über Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft Auskunft bekommen, auch über karmische Verstrickungen, Krankheiten, etc.